Nicht aufgeben liebe Betty, – Briefwechsel

Deine Postkarte ist gestern angekommen. Da kann man ja neidisch werden, weil es so malerisch aussieht, rund um die Rehaklinik. Ich wünsche Dir sehr, dass Du bald wieder gut laufen und den Park genießen kannst. Bestimmt findest Du Dich schnell mit allem zurecht und die Zeit wird wie im Fluge vergehen.
Maxl fängt schon an, sich bei mir einzugewöhnen. Gestern habe ich mit ihm einen langen Spaziergang bis zu Deinem Garten gemacht und die letzten Pflaumen geerntet. Wenn sich bald die ersten Maronen zeigen, bist Du gewiss schon wieder so fit, dass wir gemeinsam in die Pilze gehen können. Darauf freue ich mich schon.
Liebe Grüße
Deine Edith

Liebe Betty,
ich habe mich sehr über Deinen ausführlichen Brief gefreut. Seit Deiner Postkarte waren ja bereits fast zwei Wochen vergangen. Ich mache mit Maxl jeden Tag einen ausgiebigen Spaziergang, damit er nicht aus der Übung kommt. Darum ist es auch so wichtig, dass Du nicht aufgibst, sondern in der Krankengymnastik und beim Schwimmen alles mitmachst. Ich glaube Dir, dass es sehr schwierig ist, ohne Gehhilfe zu laufen, aber wenn Du wieder mit Maxl Gassi gehen willst, brauchst du freie Hände. Bestimmt ist es sehr ernüchternd, dass der Stationsarzt keine Prognose stellen will, wann Du entlassen wirst. Aber: gut Ding will Weile haben.
Ganz liebe Grüße
Edith

Liebe Betty,
ich hatte nicht gewusst, dass Maxl Schnee so liebt! Er war völlig außer Rand und Band, als uns letzte Woche die ersten weißen Flocken überrascht haben. Sonntag war Dein Junge hier und hat den Garten winterfest gemacht. Er hat mir von seinem Besuch bei Dir erzählt und auch davon, dass er sich um Dich sorgt, weil Du zu ungeduldig mit Dir bist. Ich verstehe Dich sehr gut. Bevor Du abgereist bist, haben wir noch Pläne gemacht, ob wir bei Dir oder bei mir Stollen zum ersten Advent backen und nun sieht es so aus, als wenn Du bis Weihnachten in der Klinik bleiben musst. Lass bitte den Kopf deswegen nicht hängen.
Ich drücke Dich in Gedanken
Deine Freundin Edith

Liebe Betty,
Maxl und ich sind gestern Abend mit dem Zug gut wieder heimgekommen. Es war eine tolle Idee von Dir, dass wir über die Feiertage zu Dir reisen. Besonders unsere Spaziergänge in dem winterlichen Kurpark haben mir sehr gefallen. Erinnerst Du Dich noch an den ersten Advent? Wie traurig Du warst, weil Du dachtest, dass es gar nicht voran geht? Und jetzt muss ich mich beeilen, um in Deiner Wohnung kräftig zu lüften und alles schön zu machen. Ich freue mich so auf Deine baldige Rückkehr und darauf, mit Dir in Deinem Garten die ersten Schneeglöckchen zu bewundern.
Alles Liebe
Deine Edith

Text Carolin Werner